#REDEFINE[1]

JESUS IST ANDERS

Es gibt viele Gründe, warum ich von Jesus begeistert bin. Einer davon ist, dass er so überraschend anders ist, als ich. Anders als wir. Anders als die Leute seiner Zeit. Das merkt man in seiner Art, wie er mit anderen umgeht, und auch wie er Dinge anders definiert. Oft fordert das unglaublich heraus, weil wir durch seine Andersartigkeit hinterfragt werden. Aber in einer Zeit, wo man schnell im Internet von Gleichdenkenden bestätigt wird, braucht es genau dieses Hinterfragen. Wenn wir uns darauf einlassen, dann kann uns diese Auseinandersetzung mit Jesus verändern – ein bisschen mehr wie er.

Im Lied «Wide Place» von Laity heisst es:

«Jesus, you are redefining me.»

Ja, Jesus definiert uns neu und hilft uns seine Vision für diese Welt zu sehen. Eine Vision, wo vieles anders ist. Neu definiert.


  • Jesus definiert Grösse, Macht und Verantwortung neu: «Der Größte unter euch soll sich auf eine Stufe stellen mit dem Geringsten» (Lukas 22,26).

  • Jesus definiert Gemeinschaft neu, nimmt alle Völker und Randständigen mit hinein (Mt 28,19; Gal 3,28, etc.).

An dieser Stelle könnte man noch viele weitere Bereiche aufzählen, die Jesus neu definiert: Ein neuer Friede (Joh 14,27), eine neue Liebe (Mt 5,44), eine neue Freiheit (Joh 8,36), aber einen Bereich möchte ich etwas genauer anschauen: Jesus definiert den Weg neu, wie wir mit Gott leben können.


EIN NEUER WEG

Zur Zeit Jesus gab es eine religiöse Gruppierung – die Pharisäer. Sie waren überzeugt: Nur, wer sich streng an Gottes Gebote, ihre Regeln und Überlieferungen hielt, war «rein» und konnte sich Gott nähern. Das war ihr Weg. Sie hatten alles ganz genau definiert und es gab tausende Vorschriften, um «rein» zu sein. Wie z.B.: Hände waschen. Immer und immer wieder. Ausserdem machten sie um alles «Unreine» einen grossen Bogen: Um Tod, Krankheit und um «unreine» Personen. In dieser Sache gingen die Pharisäer die «Extra-Meile» und drängten auch das ganze Volk dazu, diese strengen Reinigungsrituale zu erfüllen.


Und dann sind da eben dieser Jesus und seine Jünger. Zum Anstoss der Pharisäer, nehmen die Jesus-Leute es mit dem Händewaschen nicht ganz so genau! In Matthäus 15 lesen wir, wie sie Jesus kritisieren, weil er und seine Freunde sich nicht an die Reinigungsrituale halten und nach ihren Vorstellungen unrein leben (Mt 15,2). So wie sich Jesus verhält, entspricht es nicht ihren Vorstellungen! Er ist anders! Aber Jesus durchschaut sie. Er sieht hinter ihre Fassade und nennt sie «Heuchler» (Mt 15,7), weil sie dieses gute Anliegen Gott zu gefallen mit anderen Motivenvermischen: Geht es ihnen wirklich darum, Gott und ihre Mitmenschen zu lieben, oder geht es ihnen nur um sich selbst, um ihre Bewunderung und um ihre Religiosität?[2] Und zweitens: Jesus stellt fest, dass sie mit ihren Herzen «weit von Gott entfernt» sind (Mt 15,8). Ihr Weg führt also in eine Sackgasse.


Sackgassen. Das kennen wir vielleicht aus unserem Leben auch. Immer wenn ich von den Pharisäern lese, frage ich mich: «Wo denke ich so, wie sie? Wo gehe ich in meinem Leben vielleicht auch auf Wegen, die nicht zielführend sind? Wo ist mir Äusseres wichtiger, als Charakter? Wo stehe ich in der Gefahr zu heucheln und die heile Welt vorzutäuschen, anstatt aufrichtig zu sein und zuzugeben, dass ich genauso ein Lernender bin wie andere?»

Zurück zu den Pharisäern und Jesus. Die Pharisäer kritisieren die Unreinheit der Hände, weil sie denken, dass diese Äusserlichkeiten entscheidend sind. Aber Jesus ist klar, dass religiöse Handlungen oder Reinigungsrituale an sich keine Vertrauensbeziehung mit Gott herstellen können. Deswegen redet Jesus wieder und wieder von einem neuen Weg. Einen Weg, den er selbst vorlebt. Dabei geht es ihm nicht um Äusserliches (Mk 7,15; Mt 15,11; 1. Sam 16,7) – es geht ihm ums Wesentliche: Es geht ihm ums Herz. Um das, was uns als Person ausmacht.[3] Das macht Jesus auch in der Bergpredigt deutlich:

«Glücklich zu preisen sind die, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott sehen.» Matthäus 5,8

Hier definiert Jesus diesen Weg neu: Alle mit einem reinen Herzen können mit Gott leben. Was es bedeutet ein «reines Herz» zu haben und auf diesem neuen Weg zu gehen, wird in den folgenden drei kurzen Punkten deutlich:


1. Ein Weg des Zuspruchs

Weil Jesus uns so gut kennt, ist ihm natürlich klar, dass wir uns nicht einfach entschliessen können, ein reines Herz zu haben – das ist für uns unmöglich. Auch durch genaues Regeln-befolgen klappt es nicht. Was wir aber tun können, ist wie David zu beten, der sich sehr bewusst war, dass es er Veränderung braucht:

«Gott, erschaffe in mir ein reines Herz und gib mir einen neuen, aufrichtigen Geist.» (Ps 51,12)

Denn für Gott ist es nicht unmöglich – er selbst schafft einen neuen Weg. Tatsächlich verspricht Gott selbst, dass er uns verändern will und uns ein neues – ein reines - Herz geben will (Hes 36,26f, Jer 24,7). Ein Herz, das ihm zugewandt ist. So ist dieser neue Weg zuerst ein Weg des Zuspruchs, denn mit Jesus erfüllt sich dieses Versprechen. Nicht durch religiöse Handlungen, sondern aus der Beziehung zu ihm arbeitet er an unseren Herzen, verändert sie und macht sie neu.


2. Es ist kein Weg der Abgrenzung

Wie kann ich jetzt als Christ leben? Hier haben viele Gruppierungen betont, dass es dann darum geht, «sich reinzuhalten» und sich von allem «schlechten» fernzuhalten. Aber geht es wirklich darum alles zu vermeiden? Geht es darum so zu leben, wie es in diesem Lied von Clueso?

«Ich mach' nicht viel falsch … leider auch nichts richtig.» [4]

Natürlich macht es Sinn nicht alles mitzumachen, wenn es nicht der lebensbringenden Melodie Gottes entspricht, wie im letzten Blogeintrag von Valentin zum Thema Pornografie deutlich wurde!


Aber wenn ich Jesus anschaue, dann sehe ich vor allem in Bezug auf andere Menschen keine passive Vermeidens- bzw. Abgrenzungsmentalität. Jesus macht keinen Bogen um andere. Er gibt sich mit «unreinen» Menschen – mit Menschen am Rand ab.[5] Darum glaube ich, dass sich auch in unserem Leben ein reines Herz nicht in erster Linie durch Abgrenzung auszeichnet, sondern durch ein verändertes Herz, das fähig ist eben solche Grenzen zu überwinden.


3. Ein Weg der Veränderung

Gleichzeitig fordert uns dieser Anspruch «ein reines Herz» zu haben auch unglaublich heraus. Schnell denken wir beim Wort «Reinheit» sehr ähnlich wie die Pharisäer - dass es darum geht, ein perfektes und sündloses Leben zu führen. Im Gegensatz zu den Pharisäern geht es Jesus aber nicht bloss um das Einhalten von Regeln. Es geht ihm um viel mehr, nämlich darum aus der Verbindung mit ihm unsere Haltung, unser Herz, unser Denken, unseren Charakter – also unser ganzes Leben zu verändern.

Jetzt verändert sich aber unser Leben nicht automatisch, wenn wir etwas gut finden oder wir uns gerade danach fühlen. Deswegen besteht unsere Herausforderung darin, diese neu-definierte Haltung zu kultivieren, bis sie unseren Charakter ausmacht.[6] Dieses Kultivieren ist Teil des Unterwegsseins mit Jesus und kann auf viele Arten und Weisen geschehen: Z.B. durch das Hinterfragen unserer Motive; dadurch, dass wir lernen ehrlich zu uns selbst sein; dadurch, dass wir es wagen echt und authentisch vor anderen zu sein; und dadurch, dass wir die Andersartigkeit von Jesus aushalten und lernen was ihm wichtig ist. Das ist dieser neue Weg.


ANDERS WERDEN

Ich bin froh, dass Jesus hier einen neuen Weg schafft und uns einlädt von ihm zu lernen und ihm hinterher zu gehen. Mit Herzen, die immer mehr zu seiner Melodie schlagen, anstatt sich um sich selbst zu drehen. Und ich hoffe, dass auch wir immer wieder die Chance bekommen in den entscheidenden Momenten «anders» zu sein und dadurch seine Vision für diese Welt sichtbar zu machen.


Isi Waeber (Schänzli)

[1] oder alternativ dazu einfach auf deutsch: „NEU DEFINIERT“ [2] vgl. Mt 5,21-28, Mt 23,5-7; Joh 5,44 [3] Das Herz ist im hebräischen Denken der Ort, wo unser Willen, unsere Gedanken und Emotionen entspringen. vgl. Morris, L. (1992). The Gospel according to Matthew (S. 100). Grand Rapids, MI; Leicester, England: W.B. Eerdmans; Inter-Varsity Press. [4] Clueso, Sag mir was du willst, 2020. [5] vgl. Mk 2,13-17; Lk 17,11-19; Joh 4; Mt 8,5-13; Mt 16,21-28 [6] Bernhard Ott, Tänzer und Stolperer. Wenn die Bergpredigt unseren Charakter formt, Neufeld-Verlag Cuxhaven, 2019, 117.

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